Nemo
will ein größeres Aquarium
Auf die artgerechte Haltung kommt es an
Der Disney-Film „Findet Nemo" war nicht nur an den Kino-Kassen ein Erfolg. Auch das Interesse an Tropenfischen ist seither deutlich gestiegen, was besonders von Tierschützern angeprangert wird. Zoofachgeschäfte sehen sich in der Debatte nun oft in die Ecke gedrängt. Zeus-Reporter sprachen mit Annette Burda, der Inhaberin eines Gelsenkirchener Zoofachgeschäfts. Wurde veröffentlicht in der WAZ Gelsenkirchen.
Zeus: In den vergangenen Wochen gab es mehrfach Berichte über den Film „Findet Nemo“. Dabei wurde teilweise behauptet, dass ausgelöst durch den kommerziellen Erfolg des Filmes auch die Nachfrage nach gleichartigen Fischen steigt. Wieso fühlen Sie sich durch diese Berichterstattung als Buhmann dargestellt?
Burda: Weil die Tatsachen nicht so sind. Selbst der deutsche Tierschutzbund, der es ja besser wissen müsste, hat einfach nur medienwirksam in eine Kerbe reingehauen. Im Meerwasser kann noch nicht viel gezüchtet werden - wir wissen einfach nicht, wie die Natur in den Weltmeeren funktioniert. Keiner weis es.
Zeus: Sehr viele Aquarianer sagen, dass es schwierig wäre, einen echten „Nemo“ zu halten. Selbst für erfahrene Aquarianer und vor allem für Kinder sei dies ein Problem. Wieso ist das so?
Burda: Der „Nemo“ an sich ist kein Problem. Nur wenn man ihn in einem 100-Liter-Aquarium halten will, gibt es eines. Denn in einem solch kleinen Aquarium funktioniert die Wassertechnik nicht. Minimum wäre ein 300 Liter großes Aquarium, damit man ein biologisches Gleichgewicht hält. Und je größer, umso besser.
Zeus: Es gilt also, bei Meerwasseraquarien ein hohes Wasservolumen zu haben?
Burda: Ja, vor allem um stabile biologische Verhältnisse zu schaffen. Natürlich gibt es auch Anlagen für kleinere Aquarien, doch diese funktionieren in der Regel nicht länger als ein Jahr. Da hätte man alles vom Anfang an richtig kaufen können und so kein Geld verschwendet.
Zeus: Sie bieten ja recht viele Fische an, sowohl im Süßwasser- als auch im Meerwasserbereich. Kommen alle ihre Fische aus Nachzuchten oder sind es Wildfänge?
Burda: Also wir haben beides - Wildfänge als auch Nachzuchten. Wobei gerade unsere Meerwasserfische zu einem großen Teil aus Wildfängen kommen, dagegen kommen unsere Süßwasserfische eher aus Nachzuchten. Wobei die Wildfängen nicht zwangsläufig problematisch sind, es gibt da sehr strenge Richtlinien.
Zeus: Wenn sich ein Kunde nun ein Haustier zulegen will, wie kann er erkennen, ob das Zoofachgeschäft einen seriösen Handel mit den Tieren betreibt? Oder an wem kann er sich wenden, um herauszufinden, welches ein gutes Zoofachgeschäft ist?
Burda: Also, sehr viele Zoofachgeschäfte sind bei dem Zentralverband deutscher Tierfachgeschäfte angemeldet. Händler, die dort angemeldet sind, müssen bestimmte Kriterien bezüglich der tiergerechten Haltung erfüllen. Ein Kriterium, an dem der Kunde selbst erkennen kann, ob es sich um einen seriösen Händler handelt, wäre die Hygiene. Das sagt nämlich schon viel über den Händler aus.
Zeus: Wie kompetent sollte ihrer Meinung nach das Personal in einem guten Fachgeschäft sein? Welche Voraussetzungen muss das Personal erfüllen?
Burda: Das Personal sollte möglichst viel über alle Tiergruppen wissen. Man sollte aber bedenken, dass es sehr schwierig ist, stets alles über die unterschiedlichsten Tierarten zu wissen. Es wird also während des Berufslebens eines Zoofachverkäufers meist eine Spezialisierung auf einzelne Tiergattungen stattfinden.
Zeus: Wie versuchen Sie nun den Fischfans beim Kauf ihrer Fische zu helfen? Welche Informationen und Hilfen vonseiten des Personals und Ihres Unternehmens gibt es?
Burda: Es gibt eine Menge Informationen, wie zum Beispiel der Preis für Schwarmfische. Bei ihnen machen wir z.B. beim Kauf von 10 Fischen ein Sonderangebot. Damit wollen wir den Kunden zeigen, dass solche Tiere sich im Schwarm wohler füllen. Wir versuchen auch dem Kunden größere Aquarien zu verkaufen. Nicht, weil wir sie dadurch abzocken wollen, sondern weil ein größeres Aquarium einfacher im biologischen Gleichgewicht zu halten ist, als ein kleineres.
Zeus: Im Fernsehen wird oft gezeigt, wie tropische Korallenfische mit Betäubungsgiften gefangen werden. Stimmt das?
Burda: Das stimmt schon. Doch wenn man sich die Dokumentarfilme genau ansieht, wird man merken, dass es sich immer um dieselben Filme handelt. Und wenn man noch genauer hinsieht, wird man auch merken, dass keine Fische gefangen werden, die sich für ein Aquarium eignen würden. Sondern es handelt sich hierbei um Fische, die für den Verzehr gedacht sind. Die Fische, die betäubt und dann gefangen werden, sind viel zu groß für ein normales Aquarium.
Zeus: Es gibt Tiere, auch im Fischbereich, die unter Naturschutz stehen. Würden Sie es als ein Tabu ansehen, geschützte Tierarten zu kaufen und mit ihnen zu handeln? Oder gibt es Sonderregelungen?
Burda: Es gibt natürlich solche Regelungen. Wie zum Beispiel bei Meeresmuscheln. Es gibt pro Jahr ein bestimmtes Kontingent an Meeresmuscheln, und sobald dieses Kontingent erreicht ist, gibt es keine Muscheln mehr. Außer bei den Japanern. Die essen die Muscheln - und vor allem den Teil, mit dem sich die Muschel am Boden hält. Das soll angeblich eine potenzsteigernde Wirkung haben …
Zeus: Die Korallenriffe werden ja nicht nur durch Ausbeutung und Umweltverschmutzung beschädigt, sondern auch durch den Tauchsport. Würden sie den Leuten raten, sich die Fische und Korallen lieber zu Hause in einem Aquarium anzusehen, um die Unterwasserwelt zu schonen?
Burda:
Also schon. Man muss aber sagen, dass beim Tauchsport schon seit vielen
Jahren Wert darauf gelegt wird, dass nicht mehr dieser Raubbau stattfindet.
Zudem muss ich sagen, dass man beim Tauchen besser lernen kann, wie die
Unterwasserwelt funktioniert und auszusehen hat.